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Recht im Fuhrpark: Was Fuhrpark-verantwortliche heute unbedingt wissen müssen

Geschrieben von Nicole Zurek | 23.01.2026 15:32:43

Beim Großkunden Business Frühstück der ROSIER Flotte stand ein Thema im Mittelpunkt, das für Unternehmen mit Dienstwagenflotte zunehmend an Bedeutung gewinnt: Rechtssicherheit im Fuhrpark. Rechtsanwalt Frank von der Osten (HAKE Rechtsanwälte, Hamm) gab einen umfassenden Überblick über Haftungsrisiken, Compliance-Pflichten und aktuelle Entwicklungen – mit klaren Handlungsempfehlungen für die Praxis.

1. Halterverantwortung: Mehr als nur Fahrzeugbesitz

2. Pflichten richtig delegieren – aber Haftung bleibt

3. Bußgeldmanagement: Schnelligkeit schützt vor Fahrtenbuch

4. Führerscheinkontrolle: Pflicht mit Konsequenzen

5. Datenschutz im Fuhrpark: Sensibles Terrain

6. Elektromobilität: Neue Technik, neue Pflichten

 

 

 

 

Halterverantwortung: Mehr als nur Fahrzeugbesitz

Im Fuhrpark ist „Halter“ nicht zwingend derjenige, der im Fahrzeugschein steht. Halter ist, wer ein Fahrzeug auf eigene Rechnung nutzt und darüber verfügt – und trägt damit die Verantwortung für alle Gefahren, die vom Fahrzeug ausgehen. Dazu zählen unter anderem:

  • Verkehrssicherheit des Fahrzeugs

  • Einhaltung von UVV- und DGUV-Vorgaben

  • Versicherungsschutz und Betriebserlaubnis

  • Vermeidung von Fahrten ohne Fahrerlaubnis

Besonders wichtig: Halterverantwortung ist keine Einbahnstraße. Auch Fahrer haften – etwa bei der Nutzung elektronischer Geräte oder wenn sie trotz erkennbarer Mängel weiterfahren.

Pflichten richtig delegieren – aber Haftung bleibt

Eine häufige Fehlannahme: Allein die Stellenbezeichnung „Fuhrparkleiter“ begründet keine automatische Haftung. Pflichten müssen ausdrücklich und dokumentiert delegiert werden, z. B. im Arbeitsvertrag oder durch Einzelbeauftragung.
Wichtig dabei:

  • Delegation nur an sachkundige und zuverlässige Personen

  • Keine stillschweigende Beauftragung

  • Externe Dienstleister müssen explizit einbezogen werden

Trotz Delegation bleibt die Geschäftsführung in der Verantwortung – inklusive Auswahl-, Überwachungs- und Stichprobenpflichten .

Bußgeldmanagement: Schnelligkeit schützt vor Fahrtenbuch

Ein zentrales Risiko für Unternehmen ist die Fahrtenbuchauflage – im schlimmsten Fall für die gesamte Flotte. Bereits eine einzelne erhebliche Geschwindigkeitsüberschreitung kann ausreichen, wenn der Fahrer nicht zeitnah benannt wird.
Empfohlene Praxis:

  • Zeugenfragebögen innerhalb von 2 Wochen beantworten

  • Fahreridentität aktiv klären und dokumentieren

  • Mitwirkungspflichten in der Car Policy festschreiben

  • Antworten archivieren (Beweisfunktion)

Ein Praxis-Tipp: Unternehmen haben als Zeugen Anspruch auf Aufwandsentschädigung nach JVEG – inklusive Arbeitszeitvergütung und Auslagen .

Führerscheinkontrolle: Pflicht mit Konsequenzen

Nicht nur das Fahren ohne Fahrerlaubnis ist strafbar – auch das Zulassen dessen. Empfohlen wird:

  • Regelmäßige Führerscheinkontrolle (Faustregel: 2× jährlich)

  • Anlassbezogene Kontrollen bei Verdachtsmomenten

  • Dokumentation der Prüfungen

Versäumnisse können zu empfindlichen Strafen und versicherungsrechtlichen Problemen führen .

Datenschutz im Fuhrpark: Sensibles Terrain

GPS-Tracking, Dashcams oder digitale Fahrtenbücher bieten Vorteile – sind aber rechtlich heikel. Kernaussagen:

  • Permanente, anlasslose Überwachung ist unzulässig

  • Dashcams sind nur mit Schleifenfunktion und anlassbezogener Speicherung zulässig

  • DSGVO-Auskunftsansprüche können teuer werden (Frist: 1 Monat)

Fazit: Datenschutz erhöht den administrativen Aufwand – reduziert aber Haftungsrisiken erheblich .

Elektromobilität: Neue Technik, neue Pflichten

Mit der Elektrifizierung von Fuhrparks steigen auch die rechtlichen Anforderungen. Unternehmen müssen u. a.:

  • Gefährdungsbeurteilungen durchführen

  • Fahrer unterweisen

  • Hochvolt- und Ladeinfrastruktur absichern

Empfehlung aus der Praxis: Car Policy anpassen und auf ausreichenden Versicherungsschutz achten .

Fazit

Recht im Fuhrpark ist kein Randthema mehr. Wer Pflichten klar regelt, Prozesse dokumentiert und Mitarbeiter einbindet, reduziert Risiken erheblich. Veranstaltungen wie das ROSIER Großkunden Business Frühstück zeigen: Rechtssicherheit ist ein entscheidender Erfolgsfaktor im modernen Flottenmanagement.